Project Description

Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute

von Jens Raschke

Info: Dieses Stück ist aus verlagsrechtlichen Gründen nur für Schulen und Institutionen buchbar.

BOXX - Junges Theater Heilbronn

Lehrplanrelevanz
Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, Selbstbestimmung und Fremdbestimmung, Anpassung und Widerstand

Alter
ab 11 Jahren

Dauer
70 min.

Kosten
5€ pro Zuschauer*in
+ kostenloses digitales Nachgespräch

Kurzinhalt

Vor vielen Jahren gab es einen Zoo auf einem Berg. Um den Zoo herum lebten viele Menschen in gestreiften Anzügen in hässlichen Baracken. Einige wenige Leute mit glänzenden Stiefeln wohnten in schönen Häusern. Zwischen dem Zoo und den Menschen stand ein summender Zaun mit Stacheldraht und Wachtürmen. Der war aber nicht wegen der Tiere da.

Der Zaun steht da, weil die Menschen in den schönen Häusern auf gar keinen Fall möchten, dass die Menschen in den hässlichen Häusern zu ihnen herüber kommen.

Trailer

Regie Katharina Brankatschk
Ausstattung Anja Kreher
Dramaturgie Annette Kuß
Theaterpädagogik Natascha Mundt
Es spielen Sarah Finkel, Nora Wolff, Rouven Klischies, Andreas Schlegel
Theaterstückverlag Brigitte Korn-Wimmer & Franz Wimmer (GbR)
Szenenfotos Johannes Buchholz

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Das Nashorn ist verschwunden. Es ist gestorben und keiner weiß, warum. Der Pavian ist sich sicher, das Nashorn hat sich in Angelegenheiten gemischt, die es nichts angingen und das rächt sich… Etwas stimmt nicht in der kleinen Zoogesellschaft, aber bevor man der Sache noch richtig nachgehen kann, kommt der Winter. Das Murmeltiermädchen fällt in den Winterschlaf und erwacht erst, als der Frühling kommt und mit ihm ein neuer Kollege. Ein junger Bär wurde in Sibirien gefangen und stolpert gerade hungrig und erschöpft aus dem Dunkel des Waggons. Er versucht sich zu orientieren. Wo bin ich hier? Warum riecht es so seltsam? Warum singen hier keine Vögel? Der Pavian fordert: Nicht so viel fragen, wir werden hier sehr gut versorgt, Eins A Futterverhältnisse, wir legen viel Wert auf das Familiäre. Aber der Bär schaut und fragt … und erkennt, was vorher keiner sehen wollte.

Jens Raschke, dem Autor des Stücks „Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute“ gelingt es hervorragend auf der Basis historischer Fakten eine überzeitliche Parabel zum Thema Holocaust zu erzählen: Es gab ab 1938 direkt neben dem Konzentrationslager Buchenwald einen Zoo – für die SS-Leute und deren Familien und die Weimarer Bevölkerung, die sonntags mit Kind und Kegel in den Tierpark gingen. Von diesem Zoo aus haben dessen Besucher in das Konzentrationslager geschaut. Sie müssen gesehen haben, was dort geschah …

Als Lehrer und Erziehungsberechtigter fragen wir uns, ab welchem Alter und wie es möglich ist über den Holocaust mit Kindern und Jugendlichen zu sprechen. Die furchtbaren Fakten können in jüngeren Jahren nicht verarbeitet werden, doch nationalsozialistische Embleme, Parolen, Anspielungen in Spielfilmen oder Schmierereien auf dem Schulhof gehören zum Alltag der Heranwachsenden. Angesichts steigender Gewalt von rechts und zunehmender Unkenntnis der deutschen Geschichte ist es geboten, sich mit dem Holocaust im deutschen Nationalsozialismus auseinander zu setzen. Es ist wichtig, schon in jüngeren Jahren das ethische Bewusstsein der Kinder zu stärken und ihnen Mittel an die Hand zu geben, sich gegen Ausgrenzung und Gewalt zu wehren.
Der Kunstgriff Raschkes, die Geschichte als Tierfabel zu erzählen, erlaubt es den jungen Zuschauern, sich dieser Thematik auf kindgerechte Weise zu nähern und eine eigene Haltung dazu zu entwickeln: Wie verhalten sich die verschiedenen Tiere, wenn auf der anderen Seite des Zauns die Menschenrechte mit Füßen getreten werden? Welche Strategien der Verdrängung durch die Tiere erkennen wir bei uns wieder? Kennen wir auch heute das Gefühl scheinbar ohnmächtig hinter dem Zaun der „Normalität“ gefangen zu sein, nichts tun zu können, obwohl wir ahnen, dass Unrecht geschieht? Solange wir uns mit der Ohnmacht arrangieren, wird sich nichts bewegen.

Der Bär erkennt, dass Humanität sich nur retten lässt, wenn der Zaun überwunden wird. Wir werden uns fragen: Bin ich Bär oder Pavian?
Das Stück, das bei aller Ernsthaftigkeit tatsächlich auch sehr unterhaltsam ist, bietet eine hervorragende Ausgangsbasis über Geschichte und Verantwortung der Menschen im Großen und im Kleinen zu sprechen.

Zu der Inszenierung bieten wir ein theaterpädagogisch angeleitetes Nachgespräch an. Für die terminliche Absprache wenden Sie sich bitte direkt über theaterpaedagogik@theater-hn.de an das Theater Heilbronn. Es kann sowohl direkt im Anschluss an den Stream, als auch an einem Folgetag stattfinden. Zusätzlich empfehlen wir die Vorbereitung durch das theaterpädagogische Begleitmaterial, welches Sie unter schulreferentin@theater-hn.de anfordern können.

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